Wann hat Jesus seine ersten Jünger in die Nachfolge berufen?

Mt 4,12-21; Joh 1,35-42

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen übersetzten Teil der Antwort von Sam Shamoun an Jalal Abualrub auf answering-islam.org.

Joh 1,26-34

26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht <einer>, den ihr nicht kennt, 27 der nach mir Kommende, dessen ich nicht würdig bin, <ihm> den Riemen seiner Sandale zu lösen. 28 Dies geschah in Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte. 29 Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! 30 Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der den Vorrang vor mir hat, denn er war vor mir. 31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar werde, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser taufend. 32 Und Johannes zeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus <dem> Himmel herniederfahren, und er blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf wen du den Geist herniederfahren und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. 34 Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.

 

Johannes sagt, dass er Geist auf Jesus herabkommen sah, was das Zeichen von Gottes war, dass er der Christus. Und jetzt lasst uns das mit dem vergleichen, was Matthäus geschrieben hat:

 

Mt 3,11-17

11 Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der nach mir Kommende aber ist stärker als ich, dem die Sandalen zu tragen ich nicht wert bin; er wird euch mit Heiligem Geist und <mit> Feuer taufen; 12 dessen Worfschaufel in seiner Hand ist, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. 13 Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden. 14 Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass <es> jetzt <geschehen>; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Dann lässt er es ihm zu. 16 Als Jesus aber getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen. 17 Und siehe, eine Stimme <ergeht> aus den Himmeln, die spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. 

 

Mt 4,1-11

1 Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden; 2 und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schließlich. 3 Und der Versucher trat zu ihm hin und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, <so> sprich, dass diese Steine zu Broten werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch <den> Mund Gottes ausgeht.“ 5 Dann nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, <so> wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, und sie werden dich auf Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest.“ 7 Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: „Du sollst <den> Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ 8 Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: „<Den> Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ 11 Dann verlässt ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen herzu und dienten ihm. 

 

Der Geist kam auf Christus bei der Taufe durch Johannes und von dort aus ging er in die Wüste, um versucht zu werden. Das zeigt deutlich, dass die Ereignisse aus Mt 3,15-4,11 sich noch vor Joh 1,29-42 ereignet haben.

 

Das Johannesevangelium sagt uns, dass Jesus nach Galiläa zurückkehrte, um an einer Hochzeit in Kana teilzunehmen (Joh 2,1-11). Danach begab er sich wieder nach Jerusalem zum Passah: 

 

Joh 2,12-13

12 Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger; und dort blieben sie nicht viele Tage. 13 Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.

 

Nachdem er einige Zeit in Jerusalem verbracht hatte, kehrte Jesus nach Galiläa zurück:

 

Joh 3,22-36

22 Danach kam Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa, und dort verweilte er mit ihnen und taufte. 23 Aber auch Johannes taufte in Änon, nahe bei Salim, weil viel Wasser dort war; und sie kamen hin und wurden getauft. 24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. 25 Es entstand nun eine Streitfrage unter den Jüngern <des> Johannes mit einem Juden über <die> Reinigung. 26 Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseits des Jordan bei dir war, dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm. 27 Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann gar nichts empfangen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist. 28 Ihr selbst gebt mir Zeugnis, dass ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern dass ich vor ihm hergesandt bin. 29 Der die Braut hat, ist <der> Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hocherfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude nun ist erfüllt. 30 Er muss wachsen, ich aber abnehmen. 31 Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, ist über allen; 32 was er gesehen und gehört hat, dieses bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an. 33 Wer sein Zeugnis angenommen hat, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. 34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn [Gott] gibt den Geist nicht nach Maß. 35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. 36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird <das> Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

 

Man beachte, dass Johannes, der Evangelist, sagt, dass Jesus diese Dinge tat, BEVOR Johannes ins Gefängnis geworfen wurde. 

 

Joh 4,1-3.39-54

1 Als nun der Herr erkannte, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes 2 (obwohl Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger), 3 verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa. 39 Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 40 Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. 41 Und <noch> viele mehr glaubten um seines Wortes willen; 42 und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist. 43 Nach den zwei Tagen aber zog er von dort weg nach Galiläa; 44 denn Jesus selbst bezeugte, dass ein Prophet in dem eigenen Vaterland keine Ehre hat. 45 Als er nun nach Galiläa kam, nahmen die Galiläer ihn auf, da sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie waren zu dem Fest gekommen. 46 Er kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein gewisser königlicher <Beamter>, dessen Sohn krank war, in Kapernaum. 47 Als dieser gehört hatte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin und bat, dass er herabkomme und seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben. 48 Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, <so> glaubt ihr nicht. 49 Der königliche <Beamte> spricht zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! 50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 51 Aber schon während er hinabging, kamen ihm seine Knechte entgegen und sagten, dass sein Knabe lebe. 52 Er erfragte nun von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war; da sagten sie zu ihm: Gestern zur siebten Stunde verließ ihn das Fieber. 53 Da erkannte der Vater, dass <es> in jener Stunde <war>, in der Jesus zu ihm sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus. 54 Dies aber tat Jesus wiederum als zweites Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.

 

Hier kommt Mt 4,12-23 ins Spiel. Man muss genau darauf Acht geben, was Matthäus sagt:

 

Mt 4,12

Als er aber gehört hatte, dass Johannes überliefert worden war, zog er sich nach Galiläa zurück;

 

Der Ausdruck „als“ impliziert, dass einige Zeit vergangen war bevor Jesus heimkehrte, was darauf hinweist, dass Christus während dieser Zeitspanne irgendwo anders war. Im Grunde sagt Matthäus, dass Christi Rückkehr nach Galiläa nicht unmittelbar stattfand, gleich nach Jesu Versuchung, sondern viele Monate oder sogar Jahre nach diesem Vorfall geschehen sein könnte. 

 

Tatsächlich erlaubt die Formulierung eine ganze Reihe von Ereignissen zwischen Jesu Aufenthalt in der Wüste und der folgenden Rückkehr nach Galiläa, etwa solche wie in Joh 2-4 berichtet.

 

Im Licht der obigen Ausführungen ergibt sich Folgendes, wenn wir alle Ereignisse zusammenzuführen versuchen: 

 

  1. Jesus geht zum Jordan hinauf, um von Johannes getauft zu werden, während letzterer dann den Geist auf Christus herbsteigen sieht.
  2. Jesus verbringt dann vierzig Tage in der Wüste, um vom Teufel versucht zu werden.
  3. Nach dieser Zeitspanne kehrt Jesus wieder nach Judäa zurück, wo Johannes dann bezeugt, dass er den Geist auf Jesus hat herabsteigen gesehen.
  4. Das ist der Zeitpunkt, wo Jesus das erste Mal auf einige seiner Jünger trifft.
  5. Jesus kehrt mit seinen Jüngern nach Galiläa, um einer Hochzeit beizuwohnen.
  6. Christus und seine Nachfolger gehen zurück nach Jerusalem, um dort das Passah zu halten.
  7. Gewahrwerdend, dass Johannes verhaftet wurde und dass die Pharisäer begangen feindlich zu werden, kehrt Jesus nach Galiläa zurück.

Hier setzt Matthäus 4,12-22 an. An diesem Punkt sammelt Jesus einige seiner Nachfolger, die zu ihren Alltagsleben und Berufen zurückgekehrt waren, von Neuem, um seinen Dienst in Galiläa fortzusetzen. 

 

Das hilft auch zu verstehen, warum Simon, Andreas und Johannes einfach auf den Zug aufspringen und ihre Karrieren und Familien augenblicklich hinter sich lassen… es war nicht ihre erste Begegnung mit Christus. Sie haben Jesus bereits in Judäa einige Zeit nach seiner Taufe und Erfahrung in der Wüste kennengelernt und waren ihm verbunden. 

 

Was das im Grunde bedeutet, ist, dass beide, Johannes und Matthäus, bestimmtes Material ausgelassen und ihre Berichte telekopiert oder zusammengefasst haben. Keiner der Verfasser gibt eine vollständige Wiedergabe alles dessen wieder, was Jesus getan hat, sondern eine Zusammenstellung derjenigen speziellen Aspekte seines Lebens und Dienstes, die sie in ihre Erzählung einbinden wollten. Johannes schreibt selbst, dass er nicht alles aufgeschrieben hat, was Christus gesagt oder getan hat:

 

Joh 20,30-31

30 Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend Leben habt in seinem Namen.

 

Joh 21,24-25

24 Dies ist der Jünger, der von diesen <Dingen> zeugt und der dieses geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. 25 Es sind aber auch viele andere <Dinge>, die Jesus getan hat, <und> wenn diese einzeln niedergeschrieben würden, <so> würde, denke ich, selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.

 

Im Licht der eigenen Aussagen des Johannes sollten wir nicht erwarten, dass er (oder irgendein anderer Schreiber) uns einen vollständigen Bericht über alles gibt, was geschah, sondern eine Zusammenstellen dessen. 

 

(Quelle: www.answering-islam.org/Responses/Abualrub/disciples_chrono.htm)